Jede Minute zählt
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Quelle Text und Bild: Dingolfinger Anzeiger 13.06.2026 Monika Ebnet
Jede Minute zählt
500 Tage Defi-Zubringer bei der Feuerwehr Markt Reisbach
Am 26. Juni besteht der Defi-Zubringer der Feuerwehr Markt Reisbach genau 500 Tage. In diesem Zeitraum konnten die ehrenamtlichen Helfer bereits auf insgesamt zwölf Einsätze zurückblicken (Stand: 31. Mai 2026).
Aktuell gehören 15 speziell für die Reanimation und den Umgang mit dem Automatisierten Externen Defibrillator (AED) geschulte Feuerwehrangehörige zum Defi-Zubringer-Team. Alarmiert werden sie durch die Integrierte Leitstelle Landshut bei Verdacht auf einen Herz-Kreislauf-Stillstand. Das Einsatzgebiet umfasst einen Radius von etwa sieben Fahrminuten rund um Reisbach und reicht damit auch über die Gemeindegrenzen hinaus.
Von den bisher zwölf Einsätzen verliefen drei Reanimationen primär erfolgreich. Dies unterstreicht die Bedeutung einer schnellen Hilfe in den ersten Minuten nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand.
Zur Entstehung des Projektes
Alle vier Minuten erleidet in Deutschland ein Mensch einen Herz-Kreislauf-Stillstand. Um die wertvolle Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes zu überbrücken, entschied sich die Freiwillige Feuerwehr Reisbach nach langer Planung und zahlreichen Gesprächen mit dem damaligen ärztlichen Leiter Rettungsdienst, Dr. Jürgen Königer, den Defi-Zubringer einzurichten. Dr. Königer verstarb im Jahr 2025. Besonders hervorzuheben ist, dass die Feuerwehr nach wie vor die erste und bislang einzige Feuerwehr im Landkreis Dingolfing-Landau ist, die an diesem Projekt teilnimmt und einen Defi-Zubringer betreibt. Damit nimmt sie eine Vorreiterrolle im Bereich der ehrenamtlichen notfallmedizinischen Erstversorgung ein und leistet einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Überlebenschancen bei Herz-Kreislauf-Stillständen im ländlichen Raum.
Bei einem Alarm rückt das Team mit einem AED aus, beginnt umgehend mit der Reanimation und führt gegebenenfalls eine Defibrillation durch. Die Maßnahmen werden bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes fortgeführt. Anschließend unterstützen die Feuerwehrkräfte den Rettungsdienst bei der weiteren Versorgung und beim Transport des Patienten. Das Hauptziel des Projektes ist es, die Zeit bis zur ersten Defibrillation deutlich zu verkürzen. Die Feuerwehr hat sich dabei das Ziel gesetzt, innerhalb von weniger als fünf Minuten nach der Alarmierung mit dem Defibrillator am Patienten einzutreffen.
Zeitgewinn kann entscheidend sein
Die ersten drei bis fünf Minuten nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand sind entscheidend. Ohne Hilfe sinkt die Überlebenschance pro Minute um etwa zehn Prozent. Nach wenigen Minuten ohne Defibrillation und Wiederbelebungsmaßnahmen nimmt die Überlebenswahrscheinlichkeit rapide ab. Frühzeitige Defibrillation kann die Überlebensrate dagegen deutlich erhöhen.
Gerade in ländlichen Gebieten haben sich Defi-Zubringer durch Feuerwehren als besonders effektiv erwiesen. Während der Rettungsdienst aufgrund größerer Entfernungen teilweise längere Anfahrtszeiten hat, können örtliche Feuerwehren häufig deutlich schneller am Einsatzort sein und die lebensrettenden Erstmaßnahmen einleiten. Dadurch wird die entscheidende Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes überbrückt. In mehreren Einsätzen war die Feuerwehr bereits deutlich vor dem Rettungsdienst am Patienten. Teilweise konnten die Einsatzkräfte bereits zehn Minuten oder sogar noch früher als der Rettungsdienst mit den lebensrettenden Sofortmaßnahmen beginnen. Gerade bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand kann dieser Zeitgewinn über Leben und Tod entscheiden.
Wie schnell dies in der Praxis funktionieren kann, zeigte ein kürzlich stattgefundener Einsatz: Bereits drei Minuten nach der Alarmierung war die Feuerwehr am Einsatzort eingetroffen. Besonders bemerkenswert ist dabei, dass die ehrenamtlichen Einsatzkräfte zunächst von zuhause oder ihrem Arbeitsplatz zum Feuerwehrhaus kommen, sich dort ausrüsten und dann ausrücken. Das kurze Zeitfenster beweist, wie schnell Hilfe durch die Feuerwehr beim Patienten sein kann und mit welcher hohen Einsatzbereitschaft die Mitglieder ihren Dienst ausüben. Die Tätigkeit im Defi-Zubringer-Team erfolgt dabei zu 100 Prozent freiwillig und zu 100 Prozent ehrenamtlich. Die Mitglieder investieren einen erheblichen Teil ihrer Freizeit in Aus- und Fortbildungen, um im Ernstfall bestmöglich helfen zu können.
Um die hohe Qualität der Hilfeleistung sicherzustellen, finden regelmäßig Schulungen, praktische Übungen und fachliche Austausche innerhalb des Teams statt. Ebenso werden belastende Einsätze gemeinsam nachbesprochen. Dabei arbeitet das Team bei Bedarf auch mit der Psychosozialen Notfallversorgung für Einsatzkräfte (PSNV-E) zusammen, um mögliche psychische Belastungen aufzuarbeiten und die Einsatzkräfte bestmöglich zu unterstützen.
Ablauf und Standorte in der Marktgemeinde
Ein Automatisierter Externer Defibrillator analysiert selbstständig den Herzrhythmus, gibt klare Sprachansagen und löst nur dann einen Schock aus, wenn dieser medizinisch erforderlich ist. Dadurch kann das Gerät auch von medizinischen Laien sicher verwendet werden. Neben dem Defi-Zubringer stehen den Bürgern im Gemeindegebiet mehrere öffentlich zugängliche Defibrillatoren zur Verfügung. Diese befinden sich an folgenden Standorten: Gasthaus „Zur Post“ Griesbach, Steinberger Berg 2; Golfclub Schlossberg, Grünbach 8 (während der Öffnungszeiten); Feuerwehrhaus Oberhausen, Leonhard-Huber-Straße 1; Feuerwehrhaus Haberskirchen, Am Wirtsberg 11; Niederhausen Gasthaus Hager, Hauptstraße 39 (Ostseite des Stadels); Hallenbad Reisbach, Schulstraße 1 (während der Öffnungszeiten) sowie VR-Bank Reisbach, Marktplatz 53.
Die Feuerwehr empfiehlt, sich mit den Standorten der Defibrillatoren vertraut zu machen. Im Ernstfall können die Bürger einen entscheidenden Beitrag zur Lebensrettung leisten. Dies hatte sich kürzlich bei einem konkreten Fall in der Marktgemeinde gezeigt.
Jeder kann helfen
Die Freiwillige Feuerwehr Reisbach weist in diesem Zusammenhang ausdrücklich auf die große Bedeutung der Laienreanimation hin. Selbst wenn Feuerwehr und Rettungsdienst bereits alarmiert sind, sollte sofort mit Wiederbelebungsmaßnahmen begonnen werden. Eine durch Ersthelfer durchgeführte Herzdruckmassage vor dem Eintreffen der Einsatzkräfte kann die Überlebenschancen eines Betroffenen verdoppeln bis verdreifachen.
Wichtig zu wissen ist dabei, dass bei einem Notruf über die 112 der Disponent der Integrierten Leitstelle Landshut nach der Notrufabfrage am Telefon bleibt und den Anrufer Schritt für Schritt anleitet. Der Mitarbeiter gibt genaue Anweisungen, wie vorzugehen ist, und unterstützt den Anrufer bis zum Eintreffen von Feuerwehr oder Rettungsdienst. Niemand muss Angst haben, etwas falsch zu machen. Die Leitstelle begleitet den Ersthelfer durch die gesamte Situation und hilft dabei, die lebensrettenden Maßnahmen möglichst schnell einzuleiten.
Da viele Herz-Kreislauf-Stillstände im häuslichen Umfeld auftreten, ist die Bereitschaft zur Hilfeleistung durch Angehörige, Nachbarn oder andere Ersthelfer von unschätzbarem Wert. Das Defi-Zubringer-Team möchte daher die Bevölkerung ermutigen, im Ernstfall nicht zu zögern und mit der Wiederbelebung zu beginnen.
Jeder kann helfen und jede begonnene Reanimation ist besser als keine Reanimation. Denn bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand gilt mehr denn je: Jede Minute zählt.